
| Risikopotentiale von Lösemitteln systematisch bewerten |
| Geschrieben von Dr. Gerald Altnau / Norbert Granderath | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Montag, 1. September 1997 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Wenn es um Verbesserung des Umweltschutzes, der Arbeitsplatzsicherheit und der Produkteigenschaften geht, muß man Lösemittel hinsichtlich ihrer Risikofaktoren systematisch bewerten. Dieser Beitrag beschreibt hierzu exemplarisch eine praxisorientierte Vorgehensweise. Darin einbezogen werden die Dicarbonsäuremethylester (DBE, Dibasische Ester) von DuPont, die toxikologisch unbedenklich sind und ein ökologisch vertretbares Risiko aufweisen.
Das gestiegene Bewußtsein über Umwelt- und Gesundheitsschutz sowie
Arbeitsplatzsicherheit führt auf dem Lösemittelsektor verstärkt zu
Diskussionen. Gesucht werden Alternativen für diejenigen Lösemittel,
die heute als umwelt- und gesundheitsgefährdend gelten. In der Regel
sind dies halogenierte Lösemittel wie das als ozonschädigend erkannte
1,1,1-Trichlorethan, das seit Ende 1995 nicht mehr hergestellt werden
darf (Quelle: Europäische Regulierung 3093-94 vom 15. Dezember 1994).
Oder es sind Lösemittel, die im Verdacht stehen, krebserzeugend zu
wirken, wie dies bei Methylenchlorid gemäß der Einstufung der EU der
Fall ist. Hierüber wird allerdings noch konträr diskutiert, was aber
bei den meisten Anwendern eher zu einer Verstärkung der bereits durch
die aktuelle Umweltgesetzgebung bestehenden Verunsicherung beiträgt. DBE, Lösemittel mit bestechenden Eigenschaften
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Adipat |
Glutarat |
Succinat |
|
|
DBE |
21 |
59 |
20 |
|
DBE-2 |
24 |
75 |
|
|
DBE-3 |
89 |
10 |
|
|
DBE-4 |
|
|
98 |
|
DBE-5 |
|
99 |
|
|
DBE-6 |
99 |
|
|
|
DBE-9 |
|
66 |
33 |
DBE hat ein breit gefächertes Einsatzspektrum. Es ist Lösemittel in Lacken, Reinigern, Abbeizern, Gußformverfestigern und sogar in Agrarchemikalien. Gleichzeitig kann es chemischer Baustein oder Zwischenprodukt sein, z. B. für Polyesterharze, Polyurethanschäume und Weichmacher. Aber auch im Boden-verfestiger im Bausektor, als Naßfestmittel für Papier oder bei der Herstellung von Farbstoffen, Insektiziden und Pharmazeutika kommt das gute Eigenschaftsprofil von DBE zum tragen. Dennoch ist das Potential an Einsatzmöglichkeiten bei weitem nicht ausgeschöpft.
Der MAK-Wert (maximale Arbeitsplatzkonzentration in mg/m³) gilt heute als Richt-wert für die Gefährlichkeit eines Stoffes. Ein hoher MAK-Wert heißt aber nicht in jedem Fall, daß für dieses Lösemittel nur geringe Arbeitschutzmaßnahmen erfor-derlich wären. In Tabelle 2 sind daher gängige Lösemittel unter Einbeziehung ihrer Sättigungskonzentration miteinander verglichen. Der darin als Vergleichsmaß ge-wählte „Flüchtigkeits-Gefahrenquotient“ QF ergibt sich als Quotient aus Sättigungs-konzentration und MAK-Wert. Er ist identisch mit der „Gefährdungszahl“ Gz in den Technischen Richtlinien der Deutschen Gefahrstoffverordnung (TRGS 420).
Angemerkt sei noch, daß zur Berechnung von QF der MAK-Wert für DBE auf einer Empfehlung von DuPont basiert, da in Europa kein Wert hierfür festgelegt ist. Der empfohlene Wert wurde mit 10 mg/m³ (1,5 ppm) absichtlich so klein gewählt, um ein Risiko von vornherein so gering wie möglich zu halten.
Tabelle 2: Ermittlung des Flüchtigkeits-Gefahrenquotienten QF (Stand 1998)
BGA: Ethylenglycolmonobutyletheracetat/2-butoxyethylacetat
EGA: Ethylenglycolmonoethyletheracetat/2-ethoxyethylacetat
NMP: N-Methyl-2-pyrrolidon
PMA: Propylenglycolmonomethyletheracetat
|
Lösemittel |
CAS-Nr. |
MAK-Wert |
Sättigungs- |
Flüchtigkeits-Gefahrenquotient |
Risiko |
|
|
Trichlorethylen |
79-01-6 |
– b |
417 |
– |
hoch |
|
|
Cyclohexanon |
108-94-1 |
– c |
18 |
– |
|
|
|
Perchlorethylen |
127-18-4 |
– b |
127 |
– |
||
|
Methylenchlorid |
75-09-2 |
350 |
1535 |
4386 |
||
|
Trichlorethan |
71-55-6 |
1100 |
728 |
662 |
||
|
Methanol |
76-56-1 |
270 |
168 |
622 |
||
|
Toluol |
108-88-3 |
190 |
110 |
579 |
||
|
EGA |
111-15-9 |
27 |
14 |
518 |
||
|
Aceton |
67-64-1 |
1200 |
555 |
463 |
||
|
Isophoron |
78-59-1 |
11 |
2 |
181 |
||
|
PMA |
108-65-6 |
270 |
29 |
107 |
||
|
DBE |
s. untena |
10 d |
0,5 e |
53 |
||
|
NMP |
872-50-4 |
80 |
2 |
25 |
||
|
BGA |
112-07-2 |
130 |
3 |
22 |
gering |
Bei der Auswahl eines Lösemittels sollte man alle Gefährdungspotentiale einbeziehen. Daten hierfür liefern die bekannten Werte und Einstufungen, wie Tabelle 3 zeigt. Bezüglich DBE haben umfangreiche toxikologische Untersuchungen ergeben, daß dieses Lösemittel kein EU-Gefahrensymbol tragen muß. In Deutschland wurde es in die Wassergefährdungsklasse 1 eingestuft.
Tabelle 3: Risikopotentiale von Lösemitteln im Vergleich (Stand 1998) (Lösemittel-Kurzbezeichnungen analog Tabelle 2)
|
Lösemittel |
Flamm- |
Hautre- |
Krebserr. |
Erbgut- |
Schwang.- |
Explos.-gr. in Luft1 |
WGK5) |
EU- |
||||
|
Trichlorethylen |
|
|
3 |
|
– 4) |
7,9 |
100,0 |
3 |
Xn |
|
||
|
Cyclohexanon |
43 |
ja |
3 2) |
|
– 4) |
1,0 |
9,4 |
1 |
Xn |
|
||
|
Perchlorethylen |
|
ja |
3 |
|
– 4) |
|
|
3 |
Xn |
|
||
|
Methylenchlorid |
|
|
3 |
|
D |
13,0 |
22,0 |
2 |
Xn |
|
||
|
Trichlorethan |
|
|
|
|
C |
8,0 |
15,5 |
3 |
Xn, N |
|
||
|
Methanol |
11 |
ja |
|
|
C |
5,5 |
44,0 |
1 |
F, T |
|
||
|
Toluol * |
6 |
ja |
|
|
C |
1,2 |
7,8 |
2 |
F, Xn |
|
||
|
EGA |
51 |
ja |
|
2 |
B |
1,7 |
10,1 |
1 |
T |
|
||
|
Aceton * |
- 17 |
|
|
|
IIc |
2,5 |
13,0 |
0 |
F, Xi |
|
||
|
Isophoron * |
96 |
|
3 |
|
C |
0,8 |
3,8 |
1 |
Xn |
|
||
|
PMA |
47 |
|
|
|
C |
1,3 |
13,1 |
1 |
Xi |
|
||
|
DBE |
103 |
|
|
|
|
0,9 |
8,0 |
1 |
– |
|
||
|
NMP |
95 |
ja |
|
|
C |
1,3 |
9,5 |
1 |
Xi |
|
||
|
BGA |
78 |
ja |
|
|
C |
1,7 |
8,4 |
1 |
Xn |
|
||
1) Sorbe: Sicherheitstechnische Kenndaten, Stand 7/96, veröffentlicht im Ecomed-Verlag
2) MAK- und BAT-Werte-Liste 1998, Mitteilung 34 der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe vom 1. Juli 1998
Schwangerschaftsgruppe:
A Ein Risiko der Fruchtschädigung ist sicher nachgewiesen und kann auch bei Einhaltung der MAK- und BAT-Werte eintreten.
B Ein Risiko der Fruchtschädigung kann auch bei Einhaltung der MAK- und BAT-Werte nicht ausgeschl. werden.
C Ein Risiko der Fruchtschädigung braucht bei Einhaltung der Grenzwerte nicht befürchtet zu werden.
D Eine Einstufung ist nicht möglich, da die vorliegenden Daten für eine abschließende Bewertung nicht ausreichen.
IIc Überprüft, kann aber keiner Gruppe zugeordnet werden.
Karzinogenität:
3 Stoffe mit begründetem Verdacht auf krebserzeugendes Potential.
3) 25. Anpassung zur Richtlinie 67/548/EWG
krebserregend/erbgutverändernd:
1 Wirkung beim Menschen ist nachgewiesen.
2 Ist so zu betrachten, als ob es auf Menschen wirkt.
3 Es sind Verdachtsmomente vorhanden, aber nicht genügend Daten, um eine Einstufung in Klasse 2 vorzunehmen.
4) Minimierungsgebot beachten.
5) WGK: Wassergefährdungsklasse (Deutschland)
6) EU-Symbol:
Xi reizend
Xn gesundheitsschädlich
F leicht entzündlich
T giftig
N umweltgefährlich
Anwendern, die nach Alternativen zu ihren bisher verwendeten LösemittelFormulierungen suchen, bietet DuPont eine besondere Dienst-leistung an: die Nutzung eines Computer-Formulierungs-Programms. Eine Datenbank mit rund 180 verschiedenen Lösemitteln kalkuliert die „Hansen-Löslichkeitsparameter“ ( Wasserstoff-Bindungsstärke, polare und unpolare Bindungsstärke) dieser Lösemittel und von deren Mischungen. Das Programm berechnet außerdem den Löslichkeitsbereich von Poly-meren und Lösemitteln aus experimentellen Ergebnissen. Diese Infor-mationen dienen dazu, DBE beinhaltende Formulierungen zu entwickeln und ihre Löseeigenschaften auf das vom Kunden gewünschte Profil abzu-stimmen. Grundsätzlich gibt es dabei zwei Vorgehensweisen:
Fall A: Eine bestehende Lösemittel-Formulierung soll durch Formulierungen mit DBE ersetzt werden
Bild 1 zeigt dazu die mit dem Computerprogramm kalkulierten Hansen-Löslichkeitsparameter für die bestehende Formulierung (Parameter sind die polare und die Wasserstoff-Bindungsstärke). Die Parameter für zulässige Alternativen zur bestehenden Lösemittel-Formulierung müssen innerhalb der in Bild 1 nur der Teilkreis dargestellten Kreisfläche liegen; eine Lage auf dem Kreisumfang ist ebenfalls zulässig. Liegen alternative Formulierungen fest, folgt zur endgültigen Klärung üblicherweise ein praktischer Test beim Kunden.
Fall B: Ein neues Bindemittel beispielsweise benötigt eine geeignete Lösemittel-Formulierung
DuPont bestimmt im Labor zunächst den Lösebereich des Bindemittels (Löslichkeitskreis im Hansen-Parameter-Diagramm). Anschließend wird DBE als alleiniges Lösemittel gewählt. Reichen dessen Löseeigenschaften nicht aus, berechnet man im nächsten Schritt das Löslichkeitsprofil von Mischungen aus DBE und anderen Lösemitteln, die im Lösebereich (Kreisfläche in Bild 1) des Bindemittels liegen müssen. Der praktische Test beim Kunden entscheidet nun wieder über den Einsatz der so ermittelten Lösemittel-Formulierung.
Aus Anschaulichkeitsgründen sind die vorstehenden Beispiele zum Computer-Formulierungsprogramm vereinfacht wiedergegeben. Zusätzliche, individuelle Parameter wie Kosten, Viskosität und Verdunstungsprofil der Lösemittel, die für den Anwender sehr wichtig sind, ermittelt das Programm bei der Kalkulation ebenfalls. Da diese Löseprobleme noch von Land zu Land unterschiedlich sein können, hat DuPont seine lokalen Händler mit dem Programm ausgestattet und anwendungsorientiert geschult. Ziel ist es, die Kunden von DuPont bei der Suche nach kosten- und produktoptimalen Lösemittel-Formulierungen bei gleichzeitig minimiertem Risikopotential effizient zu unterstützen. In Deutschland und Österreich wird DBE von der LEMRO Chemieprodukte Michael Mrotzyk KG, Grevenbroich vertrieben.
Dr. Gerald Altnau ist Product-Manager im Geschäftsbereich Nylon Specialities der Du Pont de Nemours (Deutschland) GmbH, Bad Homburg, Norbert Granderath ist Sales und Marketing Manager bei der LEMRO Chemieprodukte Michael Mrotzyk KG, Grevenbroich.
Bild 1: Kalkulation der Hansen-Löslichkeitsparameter mit dem Computer-Formulierungsprogramm von DuPont. Beispiel: Suche nach alternativen, DBE beinhaltenden Lösemittel-Formulierungen für ein Epoxidharz (Shell EPON 1004F)
* geändert von 1997 bis 1998